Die verspäteten Flüge auf dem Düsseldorfer Flughafen haben im Jahr 2016 eine Höchstzahl erreicht. Dadurch werden die vom Fluglärm betroffenen Bürgern rund um den Flughafen in ihrer Nachtruhe gestört. Der Flughafen zieht sich aus der Verantwortung. Ratinger gegen Fluglärm akzeptiert das nicht, zumal auch noch geplant ist, die Anzahl der Flüge zu steigern. Über die Zusammenhänge und die Verantwortlichkeit des Flughafens informiert ein Pressetext.

Betroffene Bürger wollen verlässliche Nachtruhe sowie weniger Fluglärm und Luftschadstoffe

Der Flughafen Düsseldorf will Wachstum. Deshalb hat er den Antrag auf Kapazitätserweiterung beim Landesverkehrsministerium gestellt. Das Ministerium hat im April dieses Jahres das dazu erforderliche Planfeststellungsverfahren eröffnet. Für die vom Fluglärm betroffenen Ratinger Bürger sind die Wachstumsambitionen des Flughafens nicht akzeptabel. In über 2.000 Einwendungen gegen den Plan wurde aus Ratingen ein klares Zeichen gesetzt, dass eine Steigerung des Flugbetriebs auf dem stadtnahen Düsseldorfer Airport nicht stattfinden darf. "Das Maß ist voll!" lautet das Votum der gestressten Bürger, die noch mehr Flugbewegungen strikt ablehnen. Sie wollen eine verlässliche Nachtruhe sowie nicht noch mehr Fluglärm und Luftschadstoffe in und über ihrem Lebensraum. Denn gesundheitliche Risiken sind schon durch die herrschenden Bedingungen nicht auszuschließen und beunruhigen die Menschen.

Flugbetrieb an Grenzen

Dass der Flugbetrieb schon derzeit an die Grenzen des Machbaren stösst, zeigen die Zahlen für die Verspätungen bei den Starts und Landungen in diesem Jahr. Realität im Flugbetrieb ist, dass sich sehr häufig im Laufe des Tages ab 6:00 Uhr morgens bei den Umläufen der Maschinen Verspätungen aufbauen, die zum Tagesende hin in der Regel zunehmen und nach 22:00 Uhr bei Starts und nach 23:00 Uhr bei Landungen, das heisst  in den Nachtstunden, kompensiert werden müssen. Denn am nächsten Morgen müssen die Flugzeuge für die geplanten Umläufe wieder abflugbereit zur Verfügung stehen. Wie die Starts und Landungen in der Nachtzeit erfolgen können, ist in den "Regelungen für die Nachtflugbeschränkungen auf dem Verkehrsflughafen Düsseldorf" vorgeschrieben. Ein Nachtflugverbot gibt es für Düsseldorf nicht.

Im Prinzip sollen die Nachtflugregeln sozusagen ein Ventil sein, um unvorhersehbare gravierende Vorkommnisse, wie schwierige Wetterbedingungen oder auch technische Defekte, aufzufangen. Leider wird aber dieses wohlgemeinte Instrument immer mehr als wohlfeiles Mittel genutzt, um die misslichen Konsequenzen aus einer zu engen Taktung bei der Planung des Flugplans durch die Fluggesellschaften beim letzten Umlauf des Tages ausgleichen zu können. Ziel der engen Taktung ist, so viele Umläufe wie eben möglich pro Tag zu erreichen. Kleinste Verzögerungen im Betrieb lassen sich wegen fehlender zeitlicher Puffer im Plan nicht ausgleichen und summieren sich bis zum Tagesende, wo sie dann über die Nachtflugregelung kompensiert werden müssen - sehr zum Leidwesen der überflogenen Bevölkerung. 

Immer mehr Verspätungen

In 2016 sind von Januar bis Oktober im Vergleich zu 2015 die Zahlen der verspäteten Starts um rund 20 % und die der verspäteten Landungen um rund 50 % angestiegen, wobei schon in den letzten Jahren jeweils ein Anstieg zu erkennen war. Die Gründe für die einzelnen Verzögerungen sind vielfältig und entsprechen der Realität bei derart komplexen Abläufen wie dem alltäglichen Flugbetrieb. Deshalb können sie auch nur bedingt reduziert, geschweige denn vermieden werden.

Es ist daher unbedingt notwendig, auf eine Erweiterung des Flugbetriebs in Düsseldorf zu verzichten. Eine Anhebung des Stundeneckwerts beim Parallelbahnbetrieb von 45 auf 60 Flugbewegungen pro Stunde wird bei voller Ausnutzung dieser Zahl das Verspätungsproblem deutlich verschärfen. Dagegen kann auch eine angedachte flexiblere Einsatzmöglichkeit des Parallelbahnsystems keine Abhilfe schaffen. Denn schon jetzt ist in den prekären Betriebsstunden zu den Tagesrandzeiten frühmorgens und spätnachmittags die Mitbenutzung der Parallelbahn gängige Praxis. Es hat den Anschein, dass bei der Planung des Antrags zur Kapazitätserweiterung Wunschdenken vorherrschte und der Realitätsbezug gefehlt hat.

Fazit aus dem aktuellen Flugbetrieb und der geplanten Betriebsausweitung kann nur sein: Mehr Flugbewegungen sind bei den gegebenen Verhältnissen am Düsseldorfer Flughafen nicht vertretbar und die Regelungen für den Nachtflugverkehr müssen erheblich strenger gefasst werden.